Chip oder Branzeichen?

Gestern war die Tierärztin bei uns und hat den Dalmatinerwurf unserer Freunde gechippt. Das ging ganz kurz und schmerzlos. Die Kleinen haben nicht einmal gequiekt. In diesem Zusammenhang kam auch das Verbot des Schenkelbrands bei Pferden zur Sprache.

Nun. In der Hundezucht gibt es ja schon seit Jahren den Transponderchip. Er ist ja auch vorgeschrieben für die Ausstellung des EU-Heimtierpass. Züchter von Dalmatinern und anderen “weissen” Rassen kennen diese Prozedur auch schon lange. Vor der AEP (Akustisch evozierte Potentiale = (Hör-)Untersuchungsmethode mittels EEG) müssen die Welpen gechippt sein, damit es keine Verwechslungen geben kann.

Nun wird bei Pferden ein Gewese darum gemacht. Die Deutsche Reiterliche Vereinigung (FN) und die Zuchtorganisationen sind strikt gegen das Verbot während die Tierschützer es begrüßen.

Selbst heute morgen im privaten Radio-Spaß-Sender ffn war der Schenkelbrand und das Für und Wider Thema. Hier werden sonst eher so Sachen wie “hast du schon mal etwas wichtiges in der Waschmaschine mitgewaschen” mit den Hörern diskutiert.

Hier gab es dann sehr verschiedene Meinungen. Ein Hirni meinte, er könne es nicht verstehen könne, dass etwas, was seit taussend Jahren in Ordnung gewesen ist (das Brennen) auf einmal nun schlecht sei. Eine ganze Zeitlang war auch das Hexenverbrennen voll in Ordnung und dann war es auf einmal auch schlecht…

Weiter meinte er, dass ein Pferd das Chippen nicht vertrage und nicht sofort zu seinem Halter zurückkomme, während ein Verbrennungsopfer dies ja sofort mache. Empfehlung an den guten Mann: Geh mal zum Tätowierer deines Vertrauens und lass dir ein Branding verpassen.

Ein Hörer beschrieb, dass er als Feuerwehrmann einmal einen Reiterhof evakuieren musste und die Pferde Schmerzen durch das Feuer gehabt haben.

Eine Hörerin konnte sich nicht entscheiden. Sie fand den Brauch des Brennens gut, würde als Tierschützerin aber die Schmerzen des Pferdes sehen. Sie sagte, dass die Transponder defekt gehen könnten und nach ein paar Jahren eventuell nicht mehr funktionieren und so die Sache nicht sicher sei.

Hört mal, liebe Befürworter des Brennens und Gegener des Chippens. Diese Methode wird bei Hunden und Katzen schon jahrelang durchgeführt und funktioniert weltweit. Diese Technologie wird auch in der Industrie großlfächig eingesetzt. Kommt doch mal wenigstens im 20. Jahrhundert an, wenn ihr es schon nicht ins 21. Jahrhundert schafft.

Wenn schon Chihuahua-Welpen diese Prozedur überstehen und kleine Katzenwelpen, dann werden doch wohl auch die deutlich größeren und robusteren Fohlen keine bleibenden Schäden davon tragen.

Der Moderator Franky brachte die Diskussion auf den Punkt: Es sei für viele Pferdezüchter eine Sache des Prestiges und des Marketings. Durch das Brandzeichen sei sofort sichtbar, woher das Pferd stamme.

Kurz: Es gibt keine technischen und tierschutzmäßigen echte Argumente gegen den Chip. Die Technologie ist ausgereift. Jeder Tierarzt und viele andere Stellen wie Tierheime haben Lesegeräte und können damit umgehen. Die Technologie ist weltweit standardisiert und funktioniert einfach. Und sie ist (fast) völlig schmerzlos.

Das Brennen hat Tradition wie z.B. in Westerscheps. Wir waren auch schon mal dort und ich hatte nicht den Eindruck, dass die Fohlen die Sache genossen haben. Das Brennen ist Marketing und Markenzeichen. Doch es gibt keine überzeugenden Gründe, warum eine Verbrennung besser sein soll als ein kleiner Piks. Jeder, der schon mal einen Sonnenbrand hatte oder eine heisse Herdplatte angefaßt hat oder sich kochendes Wasser über den Arm geschüttet hat, wird wissen, wie nachhaltig diese Schmerzen sind. Und ich denke, dass ein hochstehendes Säugetier wie ein Pferd ähnliche Empfindungen haben wird.

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