Das Recht auf Erziehung

6. Oktober 2018 By Roman

Das Recht auf Erziehung

Jeder kennt es – auf unseren Spaziergängen treffen wir immer wieder auf Hunde, die nicht oder nur rudimentär erzogen sind. Nun kann man im Voraus natürlich nie sagen, warum dies so ist. Es gibt sicher Fälle, in denen der Hund neu in der Familei ist und die Erziehung noch in den Kinderschuhen steckt.Doch von diesen Hunden will ich hier nicht sprechen.

Ich meine Menschen, die ihre Hunde nicht erziehen wollen. Sie meinen, das gibt es nicht?
Doch – leider kommt das häufiger vor als man glauben möchte.Ich habe schon öfter den Satz gehört „Mein Hund wird nicht drangsaliert; er soll sein Leben geniesen“.

Dieser Aussage ist zunächst einmal nichts entgegenzusetzen. Drangsal und Quälerei wollen wohl alle von unserem Hund fernhalten. Wir sollten uns allerdings ernsthaft die Frage stellen, ob der Hund diese gewährte „Freiheit“ auch wirklich genießt. Hat ein Hund, der nicht erzogen wird und somit nichts lernt, wirklich das angenehmere Leben? Bedenken Sie bitte, wir sprechen hier nicht von Kasernenhofdrill und Zwangserziehung. Die Antwort darauf ist eindeutig – nein.

Warum ist dann die Erziehung für einen Hund so wichtig?

 

Hier sind drei Bereiche zu betrachten:

 

  • der Besitzer,
  • die Umwelt und
  • schließlich und endlich der Hund.

 

Zugegeben – Erziehung ist Arbeit, manchmal, manchmal Frust, obwohl es das nicht sein sollte und mitunter auch lästig. Ein Mensch, der den scheinbar geringeren Weg des Widerstands geht und seinen Hund nicht erzieht tut sich aber im Endeffekt selbst keinen Gefallen. Wir sind keine einsamen Inseln. Ob wir dies möchten oder nicht; wir sind ständig in Interaktion mit unserere Umwelt. Und im fast gleichen Umfang, wie unerzogene Kinder nicht geren gesehen sind, werden von der Umwelt auch unerzogene Hunde abgelehnt, selbst von an sich tierlieben Menschen. Diese Ablehnuung kommt direkt auf den Halter und seinen Hund zurück.

Bellt der Hund zum Beispiel viel in der Wohnung, stört das die Nachbarn.Und selbst wenn man von seinen Nachbarn vielleicht wenig hält, so können deren Beschwerden wiederum zu Problemen mit dem Vermieter führen.

Hunde, die raufen und nicht abrufbar sind, verletzen nicht nur andere Hunde sondern eventuell auch sich selbst.Es liegt also nicht nur im Interesse der Umwelt, dass der Hund erzogen wird.Es liegt vor allem auch im Interesse des Halters. Somit stellt die Erziehung auch einen Schutz für uns und unsere Fellkamaraden dar.

Ganz besonders aber liegt es im Interesse des Hundes. Auch wenn sich ein Hund ganz bestimmt keine Gedanken über Mietverhältnisse oder Tierarztkosten seiner Rivalen macht, ist er derjenige, der am meisten von einer Erziehung profitiert. Denn seine Erziehung fordert nicht nur uns sondern vor allem auch den Hund selbst.Und Hunde wollen im Rahmen ihrer Möglichkeiten gefordert und gefördert werden. wenn wir den ganzen Tag auf den Beinen sind und uns über den Chef ärgen, unsere Arbeit bewältigen und noch schnell dies und jenes erledigen schleicht sich manchmal durchaus ein neidvoller Gedanke an den Hund ein, der es sich in seinem Körbchen gemütlich gemacht hat und das Leben aus entspannter Sicht betrachten kann. Es ist nur natürlich, dass wir so denken und unserem Hund Alltagsmaloche ersparen wollen.Dies ist die Sicht des Menschen.

Was aber könnte Hunde-Sicht sein? Findet unser felliger Freund diese Rundumentspannung genauso toll? Nein. denn hier gibt es einen enormen Unterschied der Einstellung. Wir sind froh, wenn wir mal nichts zu tun haben. Der Hund ist glücklich,wenn er mal etwas zu tun bekommt, insbesondere die Hunde aus Arbeitsrassen.

Den ganzen tag ein Leben lang nichts zu tun ist nicht so süß wie wir Menschen glauben, wenn uns die Hektik mal wieder über den Kopf wächst. Fleisige Menschen, die arbeitslos sind oder kürzlich in Rente gegangen sind,können ein Lied davon singen. dabei haben wir Menschen noch einen großen Vorteil – vielfältige Freizeitsbeschäftigung. Wir könne lesen, telefonieren, fernsehen, Freunde treffen, ausgehen, Kurse besuchen. Die Liste der Möglichkeiten ist lang.

Welche Möglichkeiten hat der Hund? Er ist total abhängig von uns und kann nichts ohne uns tun.

Für den Hund stellt lernen – und nichts anderes ist ja gute Erziehung – eine Möglichkeit dar,sein Leben intensiv zu leben. Der Trieb zu lernen ist bei Hunden genauso stark ausgeprägt wie beim Menschen,nur etwas anders, und wie viele Jugendliche ohne Perspektiven werden sich auch viele Hunde dann eben ein anders Betätigungsfeld suchen, welches uns dann vielleicht nicht gefällt.

Wir tragen für unseren Hund die Verantwortung.dies bezieht sich auf seine körperlichen Bedürfnisse wie Füttern, Pflege, Ausführen wie auch auf seine seelischen, die wir mir Zuneigung befriedigen.
Doch damit ist es nicht getan. auch ein Hund ist mehr als die Summe von Körper und Psyche.er verfügt über „Geist“. Natürlich ist dieses unfassbare etwas,das ich hier „Geist“ nennen will, anders als beim Menschen.
Sein „Intellekt“ ist nicht dazu ausgerichtet, die Geheimnisse des Kosmos zu erforschen oder sich mit Lyrik zu befassen. Ein Hund sieht sich aber selbst als vollwertiges Mitglied der Familie (Rudel) und in diesem Sinne sollten wir ihm auch gerecht werden. Und denken Sie nicht, dass ihr Hund sie weniger liebt, wenn sie ihn fordern. Zur Erziehung gehört auch ein „Nein“. Im Gegensatz zu uns ausgeprägten Individualisten ( manchmal auch einfach nur Egoisten),die zugegebenermaßen ein Veto nicht immer gut aufnehmen,tut es der Liebe des Hundes gegenüber seinem Halter keinen Abbruch.

Ihm gefällt veilleicht nicht besonders, dass er gerade jetzt die von ihm begonnene Handlung abbrechen soll. Aber zu unserem Glück sind Hunde im Wesen so angelegt,dass sie uns lieben und (be)achten,weil wir der Chef sind.

Wo endet die Erziehung? Nirgends. Es gibt keine „fertigen“ Wesen, die nach einem gewissen Ausbildungsstand fehlerfrei und glücklich funktionieren. Intelligente und soziale Lebewesen – zu denen Menschen und Hunde gehören – entwickeln sich unaufhörlich weiter. Wir haben die Verantwortung, diese Entwicklung in für den Hund positive Bahnen zu lenken. Dabei müssen es nicht immer die großen Dinge sein, ein Sprung durch einen Feuerreif wäre sicherlich übertrieben. Üben sie zum Beispiel Socken oder Leine holen.Und wenn er erst nach Monaten begreift was Sie wollen, ist dies auch kein Schaden. In der Übungszeit wurde der „Geist“ Ihres vierbeinigen Freundes angeregt und das Team Mensch – Hund hat sich miteinander beschäftigt.

Erziehung schafft Beziehung!

Wenn wir unserem Hund etwas beibringen,ihn also erziehen, dann beschäftigen wir uns automatisch sehr intensiv mit ihm. Nur durch Beschäftigung mit einem anderen Lebewesen entsteht und verfestigt sich eine Beziehung. Anderenfalls lebt man nebeneinander her. Dies ist – einfach aufgrund unserer Möglichkeiten – für den Hund wesentlich fataler als für uns Menschen.

Eine gute soziale Bindung dagegen ist für beide Seiten beglückend. Und seien wir ehrlich,würden wir diese einfache Tatsache nicht irgendwo in unserem Inneren wissen, hätten wir uns wahrscheinlich einen Plüschhund gekauft.

Von Außen wirken staatliche Gesetze auf uns und unsere Hunde ein ( Leinpflicht etc). In der inneren Beziehung mit unserem Hund wirkt auch ein Gesetz – das Trägheitsgesetz, dass uns manches mal hindert mit unserem Hund zu arbeiten.

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