Leinenzwang bei Kampfhunden – Listenhunde

2. Juli 2019 By Roman

Leinenzwang bei Kampfhunden – Listenhunde

Ich schreibe diesen Artikel über Leinenzwang um ihn zur Diskussion zu stellen. Bitte schreibt unter Kommentaren unter diesen Artikel Eure Meinung, schreibt in unser Forum oder eine Mail an mich, die ich schnell beantworte.

Ich schreibe diesen Artikel absichtlich etwas provokativ, da ich auch speziell in diesem Thema die stark unterschiedlichen und teilweise sehr extremen Meinungen erfassen will, die ich in ca. 150 Befragungen von Hundehaltern, Nicht-Hundhaltern, Fachleuten und Tierschützern gesammelt habe.

Bei diesem Thema haben wir erst einmal drei unterschiedliche Ausgangsbasen,

  • erstens den sehr jungen Listenhund, der den Wesenstest nicht einwandfrei besteht (meist liegt dies nicht an Aggressivität, sondern, dass der Hund sich nicht abrufen lässt) und deshalb Leinenzwang auferlegt bekommt und
  • zweitens den älteren Listenhund, ohne bisherigen Vorfall, der den Wesenstest nicht besteht wegen gesteigerter Aggressivität und
  • drittens haben wir den durch Beißvorfall auffällig gewordenen Hund, egal welcher Rasse. Dies können Beißvorfälle gegen Menschen und/oder gegen Tiere sein. 

 

 

Diese Ausgangssituationen müssen getrennt bewertet werden.

Der Listenhund muss in Nürnberg laut Hundeverordnung mit spätestens 14 Monaten seinen Wesenstest abgelegt haben.
Dies ist meiner Meinung nach bei einigen Rassen (speziell Molosser) viel zu früh. Die Ämter gehen hier von der Geschlechtsreife aus, die fast immer zu diesem Zeitpunkt vorliegt. Ausgegangen werden sollte aber von der psychischen Reife des erwachsenen Hundes, dies ist bei einigen Rassen erst mit 2 – 3 Jahren der Fall.

Im Alter von 14 Monaten sind Hunde oftmals noch so unsicher, dass sie noch kein zuverlässig ausgeprägtes Verhalten zeigen. In einem Wesenstest können durch reine Unsicherheit wegen der Stressbelastung Aggressionen auftreten, die mit weitergehender Erziehung, Sozialisierung und Festigung nicht mehr auftreten würden. Mit 14 Monaten wird der Hund auch noch nicht die Sicherheit haben richtig zuzubeißen. Aber bei einem Wesenstest reicht schon der Versuch und ein Gutachter muss dann Einschränkungen machen, obwohl solche Einschränkungen wie Leinenzwang noch nicht notwendig wären, andere Maßnahmen eventuell schon.
Macht der Gutachter keine Einschränkung und später passiert etwas, könnte ihm dies zur Last gelegt werden – folglich muss er entsprechend vorsichtig agieren. Dem Gutachter ist hier kein Vorwurf wegen besonderer Strenge zu machen, aber dem Gesetzgeber wegen mangelnder Möglichkeiten sehr wohl.
Der Gesetzgeber sollte einem Gutachter außer der Möglichkeit der Leinenpflicht bei solch jungen Hunden die Möglichkeit an die Hand geben, vorzuschlagen, dass der Hundehalter eine Hundeschule oder einen Verein zum Erziehen besuchen muss und die Möglichkeit der Nachprüfung geben, speziell wenn Leinenpflicht wegen schlechtem Gehorsam ausgesprochen wird. Der Gesetzgeber sollte dem Hundehalter dann diese Auflage machen: Der Halter muss eine Hundschule besuchen, seine Besuche dokumentieren, eine Abschlussprüfung ablegen und Teilnahmedokumentation und Abschlussprüfung dem Amt vorlegen.

Warum schlage ich diese Möglichkeit vor?

Auf Grund meiner Erfahrung ist es meine Überzeugung, dass ein Hund im Alter von 14 Monaten noch ausgezeichnet zu erziehen oder gut zu resozialisieren ist, wenn vorher Erziehungs- und Haltungsdefizite durch den unwissenden Halter aufgetreten sind, was leider häufig der Fall ist.

Mit einer Leinenpflicht in diesem Alter verwehrt der Gesetzgeber dem Hund jede Möglichkeit, sich sozial gesund zu einem erwachsenen Hund zu entwickeln.
Leinenpflicht für einen so jungen Hund heißt: keine artgerechte, dem jugendlichen Alter angepasste Bewegung und keine ausgiebigen sozialen Kontakte wegen der Leine.
Durch diese Auflage ist in den meisten Fällen nun vorgezeichnet, dass der Hund verhaltensgestört werden wird und nie mehr von der Leine kommt.
Leider sind mir solche Fälle bekannt, in denen noch junge Hunde Auflagen bekommen haben, von denen sie nie mehr los kommen.

Die Auflage der Leinenpflicht in diesem speziellen Alter von ca.14 Monaten ist tierschutzrelevant und von hoher Schädlichkeit für das Tier. Sie verbietet praktisch zukünftigen artgerechten Auslauf und ordnet Vereinsamung durch Leine an.

Der Gesetzgeber sollte aber nicht tierschutzwidrig handeln dürfen, deshalb muss er neue Möglichkeiten anwenden, die Allgemeinheit zu schützen, ohne gegen Tierschutzgesetze per Auflage zu verstoßen. Dies ist mit einer Kompetenzerweiterung von öffentlich bestellten Gutachtern leicht zu erreichen und birgt keine große Mehrarbeit für die Ämter.

Bei Kindern, die über die Stränge schlagen und sich zum Beispiel auf dem Schulhof regelmäßig prügeln, wird zuerst über Wege nachgedacht, das Kind zu resozialisieren. Lebenslanger Hausarrest wird selbstverständlich nicht in Betracht gezogen. Hier gilt vernünftigerweise das Prinzip der Resozialisierung, durch geeignete Maßnahmen.

Das Recht der Resozialisierung sollen auch junge Hunde haben; um so mehr, da ihr Fehlverhalten fast immer durch Menschen verursacht wurde und sich ein Hund genauso wenig wie ein Kind dagegen wehren kann, falsch erzogen zu werden.
Auch hier sollte der Gesetzgeber zum Schutz von Tieren besser darauf achten, wer sich ein Tier anschaffen darf und grundsätzlich für Haltung von Tieren, das heißt allen Hunderassen, einen Sachkundenachweis verlangen – das wäre praktizierter Tierschutz vom Gesetzgeber.

Statt eines Wesenstestes sollte der Gesetzgeber in Zukunft in diesem jungen Alter bei Listenhunden eine Begleithundeprüfung, Hundeführerschein oder ähnliches verlangen, welche ohne weiteres nach einem einfachen bestimmten Standart von einem Gutachter abgenommen werden kann. Dies ist auch nicht teurer als die Prüfungsgebühr in Vereinen.
Ein Wesenstest sollte dann im Alter von ca. 2,5 Jahren erfolgen.

Eine sinnvolle Vorgehensweise wäre?



Wie bisher muss der Halter eines Listenhundes ein vorläufiges Negativzeugnis beantragen, damit der Hund behördlich erfasst wird.

Nach 12 Monaten bekommt der Halter die Aufforderung bis zum 14ten Lebensmonat des Hundes den erfolgreichen Abschluss des Hundeführerscheins vorzulegen, ansonsten erfolgt eine Abnahmeprüfung durch einen Gutachter. Unterlässt der Halter dies, kann er eine Ordnungsstrafe bekommen.

Bei Vorlage des Hundeführerscheins wird dies erfasst und terminiert, dass der Hund in weiteren ca.1,5 Jahren zum Wesenstest geladen wird.

Vorteile:

Erstens ist der Halter dazu angehalten mit dem Hund als Junghund zu arbeiten und ihn somit auch kontrollierbarer zu machen. Dies wird sich bei vielen der Hunde positiv auswirken, weil durch dieses Arbeiten auch die Sachkunde des Halters automatisch mit verbessert wird.

Die Schwelle, eine Begleithundeprüfung zu machen ist erst Mal nicht so hoch und mit weniger negativen Konsequenzen für den jungen Hund behaftet. Ich glaube, die Akzeptanz der Halter, sich mit dem Hundeführerschein zu beschäftigen, wäre relativ groß.

Bei dem Wesenstest im Alter von 2,5 Jahren kann ein Gutachter wirklich sehen was an Aggressionspotential in dem Hund steckt, im Alter von 12 – 14 Monaten ist dies noch nicht so gegeben.
Es gibt genug Hunde, die sind mit 14 Monaten sehr einfach und 1 Jahr später kaum noch zu zähmen. Auch dies würde mit einem Wesenstest im Alter von 2-3 Jahren besser entdeckt werden.

Zudem hat man jetzt 2 sinnvolle, dem Alter entsprechende Kontrollmöglichkeiten geschaffen und kann in jeder Stufe entsprechend eingreifen, ohne in der ersten Stufe den Hund gleich mit Leinenpflicht zu schädigen, dafür aber den Halter mit einer Ordnungsstrafe.

Ich bin davon überzeugt, dass wenn man Halter dazu bringt mit ihrem Hund etwas zu tun, auch viel weniger unerzogene und damit „gefährliche“ Hunde unterwegs sind.

Ich würde mich freuen, wenn Ihr mir zu diesem Thema Mails schreibt oder unter diesen Artikel die Möglichkeit nutzt, einen Kommentar zu schreiben.

Wesenstest: älterer Hund ohne Vorfall.

Listenhunde werden manchmal von der Polizei und dem Tierschutz eingezogen weil der Halter kein Negativzeugnis beantragt hat, seine Steuer nicht bezahlt hat, oder den Hund abgibt weil er sich dies nicht leisten kann.
Es ist natürlich auch möglich, dass der Halter ohne Negativzeugnis von der Polizei kontrolliert wird und nun den Wesenstest nach behördlicher Aufforderung absolvieren muss.
In solchen Fällen ist der Hund jetzt älter und besteht aus verschiedenen Gründen den Wesenstest nicht. Bei einem älteren Hund ist Leinenzwang durchaus einzusehen, sollte aber auch differenziert werden.
Besteht der Hund nicht, wegen schlechter Abrufbarkeit ,sollte aus tierschutzrechtlichen Gründen auch hier in Verbindung mit dem vorläufigen Leinenzwang die Pflicht der Schulung erfolgen. Mit guter Schulung hat der Hund die Möglichkeit, innerhalb eines Zeitrahmens wieder von der Leinenpflicht befreit zu werden. Die Schulung muss vom Gesetzgeber zur Pflicht erhoben werden, ansonsten werden viele der Halter es gar nicht erst versuchen, was für den Hund bedeutet, das er wegen der Faulheit seines Halters sein Leben an der Leine verbringen muss. Es muss zur Pflicht werden, dass wer eine solche „ potentielle Waffe“ an der Leine hat, auch einen nicht zu leichten Sachkundenachweis erbringen muss, sowohl theoretisch als auch praktisch durch die Prüfung mit dem Hund.
Hier soll nun aber nicht unser Hund alleine als potentielle Waffe benannt werden. Dies würde das Bild verfälschen. Ein Auto kann eine Waffe sein – was brauchen wir – einen Führerschein. Eine Pistole ist eine Waffe die nicht von alleine losgeht – was brauchen wir – einen Waffenschein.

Durch die Maßnahme der Pflichtschulung hat der Hund wenigstens die Möglichkeit wieder von der Leine befreit zu werden. Dies sollte zum Schutz der Rechte des Hundes so praktiziert werden.

Eine weitere Möglichkeit sollte in Betracht gezogen werden. Freilauf mit festem gesicherten Maulkorb. Auf diese Weise hat ein vernünftiger Halter die Möglichkeit seinen nur leicht aggressiven Hund mit anderen Hunden, mit denen er sich verträgt spielen zu lassen. Dadurch bekommt der betroffene Hund doch mehr soziale Kontakt und mehr Bewegung, wenn auch durch Maulkorb eingeschränkt.
Bisher habe ich immer nur Maulkorbpflicht in Verbindung zur Leinenpflicht gesehen. Nur Maulkorbpflicht bei Hunden wo es vertretbar ist würde den sozialen Radius und Bewegungsradius erheblich verbessern, so dass insgesamt eine Sozialisierung möglicher erscheint.
Die Öffentlichkeit wäre auch geschützt, es gäbe somit nichts was dagegen spricht. Es ist zu bedenken, das zu allen solchen Maßnahmen begleitend natürlich die Schulung steht.

Erwachsene Hunde mit Beißvorfall:

Diese Hunde müssen sich – egal ob der Beißvorfall gegen Menschen oder andere Hunde gerichtet war (wobei Beschädigungsbeißen gegen Menschen höher einzustufen ist) – einer strikten Begutachtung unterziehen.
Dies ist auch vollkommen richtig so. Hier sollte auch weiter so gehandelt werden wie bisher.
Der Gutachter untersucht die Umstände des Vorfalls, testet den Hund und falls eine übersteigerte Aggression vorliegt und die Wahrscheinlichkeit von Widerholung gegeben ist sollte es keinen Leinenzwang geben. Der Hund sollte eingeschläfert werden.
Es ist nicht tierschutzgerecht, einen solchen Hund ein Leben lang hinter Gittern oder an der Leine zuhalten.
Mein Fazit ist, alle Hunde bei denen die Möglichkeit besteht, dass Sozialisierungsmaßnahmen greifen, sollten geschult werden damit zumindest eine gewisse artgerechte Freiheit erreicht werden kann.

Bei Hunden, wo jede Maßnahme nach Meinung eines Gutachters vergebens wäre, sollte eine Einschläferung erwogen werden.

Hier habe ich auch als Tierschützer eine sehr eindeutige Meinung, die von vielen anderen Tierschützern nicht geteilt wird. Manche Tierschützer wollen jeden Hund um jeden Preis am Leben halten. Dies erachte ich als falsch.

Ich habe eine große Abscheu davor, Tiere den Rest ihres Lebens einzusperren oder an der Leine oder Kette zu halten.
Dies bezieht sich übrigens nicht nur auf Hunde, ich verabscheue auch viele Haltungen von Nutztieren.
Rinder die nie aus dem Stall kommen, das gleiche mit Schweinen, Hühner und anderen Tieren. Ich esse auch kein Fleisch von auf diese Weise gequälten Tieren.

Ich möchte wenigstens unseren Hunden so etwas ersparen. Hunde die nur an der Leine viele Jahre geführt werden müssen, haben kein hundegerechtes Leben. Deshalb sollte der Gesetzgeber vorschreiben, dass ein Halter verpflichtet ist alles zu tun um dies zu verhindern. Es kann doch nicht so schwer sein, etwas Vernünftiges gesetzlich festzuschreiben,

Es gibt keine Kampfhunde, nur Hunde, die von ihren Menschen missbraucht wurden durch falsche Behandlung, aber die Hunde müssen unter den Fehlern ihrer Menschen leiden und manchmal für diese Fehler sterben.

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